Trauerrede zu Lebzeiten - Die eigene Geschichte erzählen – solange man sie selbst erzählen kann
Über den eigenen Abschied zu sprechen, ist für viele Menschen zunächst ungewohnt.
Vielleicht sogar ein bisschen befremdlich.
Und trotzdem kann genau darin etwas sehr Schönes liegen.
Denn wer sollte die eigene Lebensgeschichte besser kennen als der Mensch, der sie gelebt hat?
Bei einer Trauerrede zu Lebzeiten sprechen wir deshalb nicht zuerst über den Tod.
Wir sprechen über das Leben.
Über Menschen, Begegnungen und Entscheidungen.
Über Umwege.
Über Dinge, die gelungen sind.
Über Eigenheiten, über die andere vielleicht schmunzeln.
Und über das, was irgendwann einmal gesagt werden soll, wenn man selbst nicht mehr da ist.
Den eigenen Abschied mitgestalten
Viele Menschen regeln heute sehr bewusst, wie sie einmal bestattet werden möchten.
Sie entscheiden über den Ort.
Über eine Erd-, Feuer- oder Waldbestattung.
Vielleicht über die Urne, Blumen oder ein bestimmtes Musikstück.
Warum also nicht auch darüber sprechen, welche Geschichten einmal erzählt werden sollen?
Eine Trauerrede zu Lebzeiten gibt die Möglichkeit, den eigenen Abschied persönlich mitzugestalten.
Nicht bis ins letzte Detail.
Aber so, dass das Wesentliche bleibt.
Die eigene Stimme. Die eigene Geschichte. Die eigenen Wünsche.

Für wen kann das interessant sein?
Eine Trauerrede zu Lebzeiten ist nicht nur für Menschen gedacht, die schwer erkrankt sind.
Manche beschäftigen sich frühzeitig mit ihrem Abschied, weil sie Dinge gerne geregelt wissen möchten.
Andere möchten ihren Angehörigen später Entscheidungen abnehmen.
Und manchmal verändert eine Erkrankung plötzlich den Blick auf das eigene Leben.
Es gibt keinen „richtigen“ Zeitpunkt dafür.
Entscheidend ist nur das Gefühl:
Ich möchte selbst noch erzählen, was einmal von mir erzählt werden soll.

Wie läuft das ab?
Am Anfang steht ein persönliches Gespräch.
Dafür nehme ich mir bewusst Zeit – in der Regel etwa zwei Stunden.
Wir sitzen zusammen und erzählen. Nicht anhand eines starren Fragebogens, sondern über das, was Ihr Leben ausmacht: Familie, Freundschaften, Arbeit, Reisen, besondere Menschen, kleine Eigenheiten, schöne Erinnerungen und vielleicht auch Dinge, über die man heute noch gemeinsam lachen kann.
Ich höre zu, frage nach und halte fest, was Ihnen wichtig ist.
So entsteht Stück für Stück Ihre ganz persönliche Lebensgeschichte.

Sie entscheiden, was bleiben soll
Nicht alles, was zu einem Leben gehört, muss irgendwann öffentlich erzählt werden. Deshalb entscheiden Sie selbst, welche Geschichten ihren Platz finden dürfen. Was soll Ihre Familie später hören?
Was sollen Freunde noch einmal erfahren?
Welche Menschen sollen unbedingt erwähnt werden?
Welche Geschichte darf keinesfalls fehlen?
Und gibt es vielleicht etwas, das Sie Ihren Angehörigen noch mit auf den Weg geben möchten?
Es ist Ihre Geschichte.
Und deshalb bestimmen auch Sie, was daraus erzählt wird.
Auch Musik gehört zum Leben
Manchmal sagt ein Lied mehr über einen Menschen als viele Worte.
Vielleicht gibt es Musik, die Sie seit Jahrzehnten begleitet.
Ein Lied aus der Jugend.
Ein gemeinsames Lied mit dem Partner.
Musik aus einem Urlaub.
Oder einfach einen Titel, bei dem Sie sagen:
„Wenn irgendwann Abschied genommen wird – das muss laufen.“
Auch darüber sprechen wir.
Gemeinsam können wir überlegen, welche Musik zu Ihnen und zu Ihrem späteren Abschied passt.
Wie soll der Abschied einmal aussehen?
Natürlich können wir auch über die Feier selbst sprechen.
Soll sie eher ruhig sein?
Oder darf ausdrücklich gelacht werden?
Gibt es ein bestimmtes Ritual?
Fotos?
Gegenstände, die zu Ihrem Leben gehören?
Menschen, die etwas sagen sollen?
Vielleicht gibt es Dinge, die Sie sich ausdrücklich wünschen.
Und genauso wichtig:
Vielleicht gibt es Dinge, die Sie auf keinen Fall möchten.
Auch das darf festgehalten werden.
Eine Rede, die wachsen darf
Eine Trauerrede zu Lebzeiten muss nicht an einem einzigen Nachmittag endgültig fertig sein.
Das Leben geht schließlich weiter.
Es kommen neue Geschichten hinzu.
Menschen verändern sich.
Wünsche verändern sich.
Deshalb kann eine solche Rede später selbstverständlich ergänzt oder angepasst werden.
Sie ist keine in Stein gemeißelte Lebensbilanz.
Sie ist vielmehr ein persönliches Dokument, das mitwachsen darf.
Möchte ich meine eigene Trauerrede lesen?
Das entscheiden Sie.
Manche Menschen möchten den fertigen Text gerne selbst lesen.
Andere möchten nur wissen, dass ihre Geschichten und Wünsche festgehalten sind.
Und manche sagen:
„Die Rede soll später für meine Familie sein. Ich möchte sie vorher gar nicht hören.“
Es gibt dafür keine feste Regel.
Wir machen es so, wie es sich für Sie richtig anfühlt.
Auch für die Familie kann es ein Geschenk sein
Nach einem Todesfall müssen Angehörige innerhalb kurzer Zeit sehr viele Entscheidungen treffen.
Und gleichzeitig versuchen sie überhaupt erst zu begreifen, was passiert ist.
Wenn wichtige Wünsche bereits bekannt sind, kann das entlasten.
Die Familie muss dann nicht überlegen:
Was hätte Mama gewollt?
Welches Lied hätte Papa ausgesucht?
Was sollte bei der Feier erzählt werden?
Stattdessen gibt es etwas, woran sie sich halten kann.
Nicht als starres Drehbuch.
Sondern als persönliche Orientierung eines Menschen, der seinen Abschied selbst mitgedacht hat.
Es geht nicht darum, den Tod vorwegzunehmen
Vielleicht ist das der wichtigste Gedanke dieser Seite.
Eine Trauerrede zu Lebzeiten bedeutet nicht, sich ständig mit dem Sterben zu beschäftigen.
Im Gegenteil.
Oft entsteht während eines solchen Gesprächs etwas ganz anderes.
Man erinnert sich.
Man erzählt.
Man lacht.
Man denkt an Menschen, die einem wichtig waren.
Und manchmal stellt man dabei fest:
Da war ganz schön viel Leben.
Genau darum geht es.
Nicht um eine Rede über das Sterben.
Sondern um eine Geschichte über das Leben.
Wenn Sie darüber sprechen möchten
Vielleicht steht der Gedanke schon länger im Raum.
Vielleicht ist er ganz neu.
Oder vielleicht möchten Sie zunächst einfach wissen, wie so etwas überhaupt funktionieren kann.
Dann melden Sie sich gerne.
Wir können zunächst ganz in Ruhe miteinander sprechen – ohne Verpflichtung und ohne dass daraus sofort eine fertige Trauerrede entstehen muss.
Denn manchmal beginnt ein guter Abschied mit einem Gespräch, das lange vorher geführt wurde.